Die Enstehung einer Chinesischen Drachentruhe (1)

Die Liebe zum Detail, zu asiatischer Ornamentik brachte mich dazu, mehrere, sehr aufwendige Truhen zu schnitzen. Inspiriert von vielen Asienreisen wollte ich die Formenvielfacht und überschäumende Elemente in eigenen Bildern verarbeiten und da erschien mir eine dekorative Truhe, die auch noch einen praktischen Zweck erfüllt, gerade das richtige Objekt.

Außerdem kann ein einzelnes Objekt wie dieses, das alles andere als alltäglich und in dieser Form außerdem ein Unikat ist, einen Raum völlig neu gestalten. Es wird einfach zum Blickfang, v.a. wenn der Rest des Raumes in naturweiß oder hellbeige gehalten und sparsam/minimal eingerichtet wird.

Asienreisen sind heutzutage erschwinglich geworden, daher ist das Interesse der Menschen an fremdartigen und exotischen Formen stark gestiegen und der Wunsch, sich mit Hilfe von Erinnerungsstücken an diese Exotik zu erinnern. Leider ist damit auch der Markt völlig übersättigt mit Billigimporten aus Asien bzw. die Mitbringsel aus fernen Ländern werden meist in sogenannten Handicraftläden erworben und sind handwerklich und materialmäßig von billigster Qualität.

Dazu kommt, daß oft illegal geschlagenes Tropenholz zum Einsatz kommt und das böse Erwachen nach wenigen Monaten erfolgt: die Gegenstände springen, bekommen Risse, weil das Holz unsachgemäß gelagert oder gar nicht und/oder unser Klima gar nicht verträgt.

Dazu kommt, daß die Gegenstände zwar mit der Hand gefertigt, aber keineswegs Einzelstücke oder gar Originale sind. Meist sind sie das Ergebnis von Künstlerfamilien, die seit Jahrunderten ihr Kunsthandwerk von einer Generation auf die andere vereben. Dabei sind die Formen der Objekte längst zu einer Art Standard geworden, werden also nicht jedes Mal neu entworfen. Das würde auch keinen Sinn machen, weil damit die Gegenstände und Figuren ihren ursprünglichen Verwendungszweck, nämlich die Tempel und heiligen Plätze auszustatten nicht mehr erfüllen würden.

Die Tradition verlangt, daß der Künstler nicht von der Standardversion abweicht, d.h. zum Beispiel daß die von uns so bewunderten Götterfiguren immer gleich auszusehen haben, je nach Bedeutung sogar mit dem gleichen Gesichtausdruck. Die Figuren habe schießlich die ursprüngliche Bedeutung in der Tempelausstattung zu erfüllen und nicht die Bedürfnisse eines Touristen. Daß letztlich durch den Tourismus nur ein zusatzliches Zubrot für die Familien entstand, ist eine willkommene Tatsache.

Obwohl handgefertigt werden damit die Figuren und Objekte leider zur Massenware. In Regionen, wo der Tourismus überproportional zugenommen hat, ist allerdings zu beobachten, daß selbst die Qualität der für die Touristen gefertigten Produkte rapide abnimmt, wie ich aus eigener Erfahrung beobachten konnte. Dies ist sehr schade und bringt damit den handwerklichen Ruf einer ganzen Region in Verruf. Damit wird ein ursprünglich hochwertiges Mitbringsel zum billigen Kitsch.

(Wird fortgesetzt)

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